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Stand 23.01.2008
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Gnostischer Geist und apostolische Sukzession - die Liberalkatholische Kirche (LCC) Abschrift aus Friedrich-Wilhelm Haack Religion und Dekoration Freibischöfe – Neo-Orden – Vagantenpriester von der Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, München, 1990
Die Liberalkatholische Kirche ist eine Kirche mit christlichem Organisations-Gewand und theosophischem Lehrinhalt. Sie ist in 14 Kirchenprovinzen mit 30 Bischöfen weltweit organisiert. Ihren "bischöflichen Ausgangspunkt" hat sie bei den Kirchen der Utrechter Union. "Die Liberalkatholische Kirche entstand als Endergebnis einer 1915/16 erfolgten vollständigen Neuorganisation des englischen Altkatholizismus auf einer freien Basis" (Darlegung der Grundsätze und Zusammenfassung der Lehre der Liberalkatholischen Kirche, 1963) Am 28.4.1908 hatte Gerard Gul, der Erzbischof von Utrecht, den 1877 zum römisch-katholischen Priester geweihten Arnold Harns Mathew (1853-1919) zum Bischof der Altkatholischen Kirche für Großbritannien und Irland konsekriert. Als Mathew ohne Rücksprache mit der Mutterkirche neue Bischofsweihen vornahm, kam es 1910 zum Bruch zwischen der Utrechter Union und der Altkatholischen Kirche von England, die ihn 1911 zum Erzbischof wählte. Mathew hat eine große Zahl von Bischofskonsekrationen erteilt. Sein von ihm geweihter Hilfsbischof Frederick Samuel Willoughby weihte am 26.9.1915 die altkatholischen Priester Rupert Gauntlett und Robert King zu Bischöfen. Unter Assistenz dieser beiden Neugeweihten konsekrierte er am 13.2.1916 den Theosophen James Ingall Wedgewood (1883-1951), der das erste Oberhaupt dieser neuen Kirchengemeinschaft wurde. In der Liberalkatholischen Sukzessionsliste werden die beiden Bischöfe Gauntlett und King ebenfalls geführt. Gauntlett wer Sekretär des "Theosophical Society Order of Healers" gewesen, King war Okkultist, Mit Mathew hatte die neue Gemeinschaft keinerlei Kontakte mehr. Über ihn schreibt die LCC-Schrift "Was ist und will die Libaralkatholische Kirche" (München 1969): "Erzbischof Mathew war sehr fromm und gelehrt und hatte großen persönlichen Charme, aber nicht die Kraft, die Menge anzuziehen. Während sein Charakter und seine Redlichkeit niemals in Frage gestellt worden sind, hatte er doch eine Neigung zu streiten." Zählt man noch seine Liebe zu äußerem Pomp und zu hohen Titeln hinzu (" de jure Earl of Llandaff and Thomastown" etc.) so hat man fast einen Persönlichkeitsumriss vieler seiner Nachfahren und Nachfolger im freien Bischofsamt, Auf einer Synode der Altkatholischen Kirche von England am 1./2.12.1917 nahm die neue Gemeinschaft den Namen "Liberale Christliche Kirche" (Liberal Christian Church/Old Catholic) an. Schon am 22.7.1916 hatte Wedgwood in Sydney/Australien den zur Theosophie übergetretenen ehemaligen anglikanischen Priester und nachmalig als Hellseher tätigen Charles Webster Leadbeater zum Bischof für Australien geweiht. Leadbeater wurde für die neue Kirche zum "Sprecher der unsichtbaren Meister, die mit ihm auf der Astralebene in Verbindung standen". Besonders "Lord Maitreya" wird zur Offenbarungsquelle. Bevor die Gemeinschaft ihren Namen auf einer Synode in London am 6.9.1918 in "The Liberal Catholjc Church (Old Catholic)" umändert. "Lord Maitreya", verehrt als "The World Teacher" (Weltlehrer) steht später bei vielen Entschlüssen der LCC Pate. 1923 folgt Leadbeater im Amt der Kirchenführung als "Präsidierender Bischof", nachdem dieser zurückgetreten war. Lehrmäßig hat die LCC mit dem christlichen Glauben kaum mehr etwas zu tun. "Welche Lehren vertritt nun die Liberalkatholische Kirche? Es muß nachdrücklich betont werden, daß keine der hier gegebenen Darlegungen bindenden Charakter hat. Die Mitglieder unserer Kirche sind nicht gezwungen, besondere wörtliche Formulierungen von Glaubensätzen zu akzeptieren" (Was ist...., 5.14) Der Hintergrund ist die Theosophie. J. I. Wedgwood war als Theologiestudent seiner theosophischen Neigungen wegen aus der Anglikanischen Kirche ausgeschlossen worden. Charles W. Leadbeater (1847-1934) war eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Theosophie. Er wurde der Erzieher des, von Annie Besant unter Leadbeaters seherischer Leitung zum "wiedergeborenen Christus und neuen Weltenlehrers" erhobenen Inderknaben Jiddu Krishnamurti. Wegen seiner seltsamen Erziehungsmethoden kam es zu einem Gerichtsverfahren. Leadbeater mußte 1905 die Theosophische Gesellschaft verlassen, wurde aber 1911 wieder aufgenommen. Wenn das "Lexikon des Geheimwissens" (Freiburg 1970) die L.iberalkatholische Kirche als "okkulte Tochterorganisation der Adyar-TG im Gewande einer Kirche" bezeichnet, so wird dies seitens der LCC als falsch zurückgewiesen. Sehr viele der liberalkatholischen Lehraussagen haben ihre Quelle jedoch in der Theosophie. Im folgenden seien einige dieser Lehraussagen, die allerdings eher als Lehrangebote bezeichnet werden müssen, vorgestellt. Über Mensch und Offenbarung: "Da der Mensch seinem Wesen nach göttlich ist, kann er schließlich dahin gelangen, die Gottheit, deren Leben er teilt, zu erkennen und durch allmähliche Entfaltung der in ihm schlummernden göttlichen Kräfte emporwachsen zur Erkenntnis und Beherrschung des Universums, das die Offenbarung jenes göttlichen Lebens ist. Diese Methode, sich der göttlichen Wahrheit zu nähern, ist seit den Zeiten das Ammonius Saccas, also seit dem dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, des öfteren Theosophie genannt worden. Sie ist identisch mit der uralten Para-Brahmavidya der indischen Upanishaden und findet natürlich auch in der Heiligen Schrift ihre vollkommene Rechtfertigung" (Darlegung, 5.4). Über Maria: "Die Liberalkatholische Kirche anerkennt und huldigt in tiefer Ehrfurcht dem mütterlichen Aspekt der Gottheit, der Mutternatur Gottes. Dieser ist alldurchdringend, mystisch und unergründlich. Er bringt alles erschaffene Leben hervor und nährt es. Sein höchster Ausdruck ist die Weltenmutter, wie sie durch Maria dargestellt wird" (Darlegung, 5.5). Über die Rechtfertigung: "Jeder Mensch ist sein eigener absoluter Gesetzgeber, der das Helle (Gute) oder das Dunkle (Ubla) für sich selbst zuläßt und der selbst über sein Leben, seine Belohnung und seine Strafe entscheidet" (Darlegung, 5.5). Über Christus: "Das wesentlich Göttliche im Menschen. Auf diese ‘wesentliche‘ innere Gottheit wird von der Liberalkatholischen Kirche allgemein ein stärkerer Nachdruck gelegt als von den anderen westlichen Kirchen" (Was ist, S.15). Über Sünde: "Sünde ist vorsätzliche oder nachlässige Selbstverwicklung (Involution) in die Werke dieser Welt unter Ausschluß der Welt des Geistes" (Was ist ...‚ 5.16). Über Gott: "Gott ist im letzten Sinne das Absolute ... das höchste Selbst in jedem, jedoch nicht geteilt, sondern von umfassender Totalität. Er ist - soweit wir dies wissen können - persönlich in dem Sinne, daß er gebietet und liebt. Weiter als bis hierher können wir schwerlich gehen. "Er ist das eine Sein, von dem alles andere Sein abgeleitet wird .... Die Offenbarung Gottes im Weltall als Dreifaltigkeit, die in der Christlichen Religion Vater, Sohn und Heiliger Geist genannt wird" (Darlegung, S.15). Zu den Lehren der LCC gehört auch die Widerverkörperungslehre. Als Sakramente werden betrachtet: "Sieben solcher Riten, die als Sakramente anzusehen sind, nämlich: Taufe, Firmung, die heilige Eucharistie, Absolution, heilige Ölung, heilige Ehe und die heiligen Weihen". Von den christlichen Kirchen können diese Sakramente jedoch nicht anerkannt werden. Eine geschlossene Lehrauffassung gibt es nicht einmal für die Weihekandidaten. "So wie die Liberalkatholische Kirche als Mitglieder alle willkommen heißt, welche die Wahrheit suchen, so verlangt sie doch nicht von ihren (Mitgliedern, diese Darlegung der Lehre anzunehmen. Diese soll vielmehr als wesentlicher Beitrag der Liberalkatholischen Kirche zum christlichen Gedankengut angesehen werden. Die Bischöfe der Kirche sollen jedoch nur solche Kandidaten für eine Weihe annehmen, die der Darlegung der Lehre im allgemeinen zustimmen" (Darlegung, S.17). Obwohl in der Lehre kein Zusammenhang mit den christlichen Kirchen besteht, betrachtet sich die LCC als "wesentlichen Bestandteil der EINEN Heiligen Katholischen und Apostolischen Kirche - jener katholischen Kirche, die trotz ihrer vielen Teilungen im Osten wie. auch im Westen doch in Wahrheit Eine ist, da das EINE Leben Christi sie durch die Sakramente beseelt und erhält, die ER eingesetzt hat" (Darlegung, 5.8/9). Wesentlich für dieses Selbstverständnis als Teil der Einen Kirche scheint sich hier die apostolische Sukzession ihrer Bischöfe ausgewirkt zu haben. Über die Beziehung zu anderen Kirchen heißt es: "Die Liberalkatholische Kirche ist jederzeit bereit, auf freundschaftlichster Grundlage Verbindung mit anderen Kirchen herzustellen, soweit es jene Grundsätze betrifft, in denen beide Teile übereinstimmen. Sie würde z.B. niemals Kirchen ohne Bischöfe das charismatische Amt oder prophetische Amt des Predigens und der Inspiration absprechen, während sie ihnen das katholische Priestertum, das sie ja selbst nicht beanspruchen, nicht zugestehen würde, da nach katholischer Anschauung dessen Wirksamkeit und Gültigkeit von der Übertragung der bischöflichen Nachfolge abhängt. Daher erlaubt sie bei gegenseitigem Einverständnis, daß ihre Priester mit den Amtsbrüdern nichtbischöflicher Kirchen die Kanzel tauschen, aber sie lädt die letzteren nicht dazu ein, an ihren Altären zu dienen" Wegen ihrer weltweiten Verbreitung und der Vielzahl der durch die LCC vorgenommenen Bischofsweihen stellt sich bezüglich der Gültigkeit dieser Konsekrationen die Frage, ob sie auch von anderen christlichen Kirchen anerkannt werden können, ob auch dort von apostolischer Sukzession gesprochen werden kann, wo die Lehrinhalte einer Gemeinschaft dem christlichen Glauben widersprechen. Bei der LCC ist letzteres der Fall, obwohl sie sich selber als christliche Kirchengemeinschaft betrachtet und das wohl gerade mit der bischöflichen Verfassung verbindet. Eine Bischofsweihe in der apostolischen Sukzession schließt ein, daß hier ein Bischof der Kirche geweiht werden soll, die in ihren Lehren ebenfalls in apostolischer Tradition (auf biblischer Grundlage) steht. Das wird man bei den LCC-Weihen verneinen müssen, so daß man bei ihnen nur von "einer christlichen Bischofskonsekration ähnlichen Handlungen" sprechen kann. Die Bischofsliste der Liberalkatholischen Kirche Die Namen der liberalkatholischen Bischöfe werden im folgenden in zeitlicher Reihenfolge aufgeführt, die Zahlen hinter dem Strich bedeuten den Tag der Weihe, die dahinter stehenden Namen sind die Konsekratoren. Unter Umständen sind noch das Resignations- oder Sterbedatum beigefügt.
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