Liberal-Katholische
Kirche (Abk.: LKK)
GOLDMANN
VERLAG 1993 HORST
E. MIERS
LEXIKON
DES GEHEIMWISSENS
Eine rein
esoterische Kirche, gegründet 1916 von den Theosophen Wedgwood und
>Leadbeater in England, um angesichts der Haltung der >Adyar-TG den
Kirchen gegenüber dennoch die Kirchenanhänger zu gewinnen. Die Grundidee zur
LKK stammt von Eliphas >Levi, der zu jener Zeit innerhalb der TG ein geschätzter
Autor war; in seinem Werk “Ritual der Hohen Magie” (München 1927) heißt es
auf S. 38: “Die Religion hat jetzt bei den Völkern drei, dem Ansehen nach
einander feindliche Formen, die sich bald in eine einzige vereinigen werden, um
eine universelle Kirche zu bilden. Ich spreche von der russischen Orthodoxie,
dem römischen Katholizismus und einer letzten Verklärung der Religion
Buddhas.” Tatsächlich sind die Lehren der LKK eine Mischung aus verschiedenen
Religionen, namentlich aus Katholizismus und Buddhismus. Theoretische Vorarbeit
hatte schon Dr. Franz >Hartmann geleistet, der in seiner kleinen Schrift
“Was ist Theosophie?” sagt: “Die katholische Kirche ist in ihrem innersten
Wesen, das aber nicht jedermann kennt, eine Geheimschule der Theosophie-Magie.
Sie besitzt die vortrefflichste Symbolik und alle Mittel, um die Menschen auf
den Weg des Heils, d.h. zum Selbstbewusstsein ihres unsterblichen Daseins, zu
bringen.” Schutzpatronen der LKK (sowie der englischen Freimaurerei) ist der
hl. Alban. Wedgwood und Leadbeater wurden gleich selbst zu Bischöfen ihrer
Kirche. Der tragende Gedanke bei der Gründung der LKK war unter anderem auch
die Erkenntnis von der magischen Kraft, welche dem kirchlichen Ritual bei der
Ausübung der Sakramente innewohnt. Es ist Leadbeaters großer Verdienst, dessen
magische Bedeutung wieder hervorgehoben zu haben. Er beschreibt, wie während
der Durchführung des Zeremonials der Messe Gedankenformen aufgebaut werden, wie
aus ihnen eine den Bau der Kirche weit überragendes Gebilde entsteht, wie Ströme
geistiger Kraft durch dieses auf die Gemeinde sich ergießen und wie zur
Mitwirkung die gewaltigen Wesenheiten von Engeln herangezogen werden. Von der
Stelle aus, wo der Priester die Messe zelebriert, strömt daher eine Wirkung des
Segens in weitem Umkreis aus. Um diese Magie der Messe zur vollen Wirkung zu
bringen, ist es notwendig, daß von bestimmten, magisch wirksamen Formeln
Gebrauch gemacht wird. Die Gottheit der LKK deckt sich mit dem Brahman der Veden,
welcher das All durchdringt und mit seinem Wesen ausfüllt. Sie offenbart sich
durch die “2. Person” der Gottheit, den Logos oder Demiurgos (Baumeister),
der das Weltall schafft und erhält. In bestimmten Zeiten verkörpert er sich
auf der Erde, um die Menschen auf den Pfad nach oben zu führen, oder er sendet
eines seiner Glieder der “Weißen Bruderschaft” zu diesem Zweck auf die
Erde. Die christliche Lehre von der Erbsünde und von der Rechtfertigung durch
die Gnade ist in der LKK verpönt. Die Mitglieder der LKK dürfen auch weiterhin
ihrer bisherigen Kirche treu bleiben. Die LKK kennt 7 Riten, die als Sakramente
anzusehen sind, nämlich: Taufe, Firmung, die hl. Eucharistie, Absolution,
heilige Ölung, hl. Ehe und die hl. Weihen. Eine geschlossene Lehrauffassung
gibt es jedoch noch nicht einmal für die Weihekandidaten. “So wie die LKK als
Mitglieder alle willkommen heißt, welche die Wahrheit suchen, so verlangt sie
doch nicht von ihren Mitgliedern, diese Darlegung der Lehre anzunehmen.” Nach
1933, bis zum Verbot 1937, nannte sich die LKK “Freie katholische Kirche”.
Im deutschen Sprachraum gibt es (kleine) Gemeinden der LKK in Berlin, Bremen,
Darmstadt, Frankfurt, Hamburg, Hanau, Hannover, München, Nürnberg, Witten,
Graz, Wien, Innsbruck, Straßhof, und Zürich. Diözesanblatt für die
Kirchenprovinz Mitteleuropa ist die Zeitung “Die Kirche”.
- Literatur: Leadbeater, Die
Wissenschaft der Sakramente o.O.u.J.; Dr. F. K. Steinberger, Esoteriker des
Westens o.O.u.J.; ders., Was ist und will die Liberalkatholische Kirche?, München
1969; F. - W. Haack, Gottes 5. Kolonne, Die freibischöfliche Kirchen im
deutschsprachigen Raum, München 1976; Rudolf Passian, Licht und Schatten der
Esoterik, München 1991.